Geburt│Ratgeber und Tipps - schwanger-kind.de

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Bild zeigt Babyfuß mit rosa Klinikbändchen

Die Geburt

Mit der Geburt beginnt die letzte Etappe Deiner aufregenden Reise durch die Schwangerschaft. In der Regel verbinden die werdenen Mütter mit dieser letzten Etappe die unterschiedlichsten Emotionen. Mit Sicherheit empfindest auch Du einen Gefühlscocktail aus Vorfreude, Unsicherheit, Angst und auch Glück, endlich diesen kleinen Menschen in deinem Bauch zu sehen und zu spüren.

Deine Emotionen können in dieser Phase ganz unterschiedlich ausfallen, Du empfindest von dem einen mehr, von dem anderen weniger, oder hast plötzlich wieder eine ganz andere Emotion? All das ist normal!

Wie in der Schwangerschaft gilt auch bei der Geburt: es gibt kein richtig und falsch bei Deinen Emotionen.

Hör in Dich und schau, wie es Dir geht, was Du empfindest. Wenn Dir danach ist, sprich mit Deinen Lieben über Deine Gefühle – auch über Ängste, wenn Du diese empfindest. Dies kann helfen, Unsicherheiten abzubauen oder einfach nur die Seele zu befreien.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Die Geburt ist sowohl für die Mutter als auch das Baby eine Herausforderung. Der letzte Akt dieses Wunders der Natur wird Dich und Deinen Körper fordern, aber er wird auch zu einem der bleibendsten und tiefgreifendsten Erlebnisse Deines bishergien Lebens werden.

Wähle das für Dich richtige Setting für die Geburt. Entscheide Dich für einen Rahmen, den Du brauchst, um die Geburt für Dich angenehm zu gestalten.

Du bist Dir noch nicht sicher, welches der für Dich ideale Rahmen ist? Kein Problem! Lass Dich in den unterschiedlichen Einrichtungen über die verschiedenen Möglichkeiten beraten. Nimm Dir die Zeit und schau Dir alles in Ruhe an. Und am Ende triff eine Entscheidung, die sich richtig für Deinen Bauch, Dein Herz und Dein Kopf anfühlt.

Beginn der Geburt

Zum Ende der Schwangerschaft kann es zunnehmend vorkommen, dass Du ein Ziehen im Bauchbereich verspürst. Dies ist in der Regel nicht bedenklich, sondern sind Übungswehen, womit sich Dein Körper auf die kommende Geburt einstellt.

In dieser Phase der Schwangerschaft kann das Kind in unterschiedlichen Lagen in Deinem Bauch liegen, was unterschiedliche Konsequenzen für die Geburt haben kann. Lass Dich nach der Untersuchung durch die Ärztin oder dem Arzt Deines Vertrauens über deine Situation ausführlich beraten.

Die Latenzphase

Die ersten Geburtswehen haben schon eine gewisse Regelmäßigkeit. In der Regel hast Du 2-3 Wehen innerhalb von 30 Minuten. Diese können unterschiedlich stark und unterschiedlich lang sein. Emotional steigt in dieser Phase selbstverständlich die Aufregung. Du spürst, dass die Geburt langsam näher rückt.

Ein schneller Herzschlag, höherer Blutdruck und auch eine gewisse Grundnervosität stellen sich ein und sind ganz normal.
Beachte bitte, dass diese Phase zum Teil sehr lange, aber zum Teil auch sehr kurz andauern kann. Du merkst den Übergang in die nächste Phase in der Regel daran, dass die Wehen häufiger, regelmäßiger und in kürzeren Abständen kommen

Die Eröffnungsphase

Den Beginn der Eröffnungsphase merkst Du daran, dass die Wehen nun noch häufiger auftreten und meist auch schmerzhafter sind. Oftmals beginnt die werdende Mutter nun automatisch damit, die Wehen weg zu atmen, um den Schmerz besser aushalten zu können. Sollte es Deine erste Geburt sein, ist es ratsam, Dich zu diesem Zeitpunkt mit Deiner Hebamme oder Deiner Entbindungsklinik in Verbindung zu setzen.

Außerdem solltest Du nun deinen Partner, eine Freundin oder eine andere enge Bezugsperson an Deiner Seite haben. Diese Begleitung kann Dich sowohl seelisch als auch praktisch unterstützen. Bitte Deinen Partner z.B. Dich zu stützen, Dich zu massieren oder einfach nur in Deiner Nähe zu sein.

Außerdem solltet Ihr gemeinsam ab und zu die Dauer der Wehen und den zeitlichen Abstand der Wehen bestimmen. Hast Du nun Wehen im Abstand von 2-3 Minuten und halten sie ca. 30-45 Sekunden ist, der Geburtsvorgang nun ganz sicher in Gang. Dein Baby beginnt nun seinen Weg durch den Geburtskanal und der Gebärmuttermund öffnet sich immer weiter. Zu Beginn dieser Eröffnungsphase ist der Muttermund ca 2-3 cm geöffnet, am Ende der Phase ca. 10-12 cm.

Dauer der Eröffnungsphasen sind oft sehr unterschiedlich

Wie lang diese Phase bei jeder einzelnen Mutter dauert, kann man leider nicht vorhersagen. Bei Frauen, die zum ersten Mal gebären, dauert die Eröffnungsphase meistens länger als bei Frauen, die schon eine Geburt hinter sich haben.

Mehrere Stunden bis zu einem Tag sind auf jeden Fall denkbar. Deshalb wundere Dich nicht, falls Dich Deine Hebamme oder Deine Geburtsklinik wieder nach Hause schickt. Meist können Sie anhand der Öffnung des Muttermundes abschätzen, dass es noch eine Weile bis zur Geburt dauert. Solltest Du zwischendurch Wehenpausen haben, dann nutze die Zeit, um Dich auszuruhen!

Ihr beide - Dein Baby und Du - werdet die Kräfte noch brauchen.

Am Ende der Eröffnungsphase ist der Muttermund vollständig geöffnet (ca. 10-12 cm) und das Köpfchen Deines Babies ist tief in Dein Becken gewandert. Die letztendliche Geburt steht unmittelbar bevor, nun wirst Du bald Dein Baby richtig kennenlernen und im Arm halten können. Oftmals macht Dein Körper nochmal automatisch eine Pause von den Wehen.

Diese Pause solltest Du nutzen, um nochmal Kraft zu schöpfen und evtl. etwas zu trinken, denn es steht nochmal harte Arbeit bevor.

Qualität der Wehen verändern sich

Die Qualität der Wehen ändert sich in dieser Phase und Du merkst einen starken Druck nach unten. Spätestens in dieser Phase kommt es zur Eröffnung der Fruchtblase, sodass das Köpfchen nun unmittelbar im Muttermund drückt und das Baby geboren werden möchte.

Achte in diesem Moment auf Deine Hebamme: sie wird Dir sagen, ab welchem Zeitpunkt Du gleichzeitig mit der Wehe nach unten drücken und pressen darfst und sie wird auch - soweit möglich - Deinen Damm schützen, um einen Dammriss zu vermeiden. Oftmals braucht es nur noch wenige Wehen bis zur Geburt des Köpfchens und noch weitere 2-4 Wehen bis Dein Baby komplett auf der Welt ist.

Du hast es tatsächlich geschafft!

Dein Baby liegt bei Dir auf dem Bauch und du hast schlimmsten Strapazen der Geburt hinter dir!

Mutterkuchen (die sog. Plazenta) und  Rückbildung Gebärmutter

Du hast dein Baby zwar schon in deinen Armen, aber der Geburtsvorgang geht nun in die letzte Phase. Nach 10-60 Minuten treten erneut Wehen auf, die die sogenannte Nachgeburt austreiben. Der Mutterkuchen (die sog. Plazenta), der Dein Baby während der Monate in Deinem Bauch so gut ernährt hat, muss nun Deinem Baby folgen.

Aber sei beruhigt - in aller Regel sind die Wehen in dieser Phase lange nicht so schmerzhaft und der Mutterkuchen kann einfach "herausrutschen". Deine Hebamme wird sich um den Mutterkuchen kümmern und auch kontrollieren, ob er vollständig ist. Dieser Vorgang ist allerdings sehr wichtig, weil es der erste Schritt der Rückbildung deiner Gebärmutter ist.

Sie ist durch die Schwangerschaft ausgedehnt worden und soll sich nun beginnend mit den Wehen der Nachgeburtsphase wieder zusammenziehen. Gleichzeitig führt dies zu einer notwendigen Blutstillung. Deine Gebärmutterschleimhaut blutet nach der Geburt über einige Wochen ab (sog. Wochenfluss oder Lochien) und sowohl die Wehen der Nachgeburt als auch die Stillwehen der ersten Tage helfen dabei.

Dein neues Glück in den Händen halten

Jetzt hast Du das Wunder der Geburt selbst erlebt und kannst Dein eigenes Wunderwerk im Arm halten: Dein Baby ist geboren!
Ein neuer, aufregender und spannender Lebensabschnitt kann beginnen und Du kannst Dich ganz auf Dein neues Glück in Deinen Armen konzentrieren!


Bild zeigt Baby bei der ersten Unterssuchung

Neugeborenen Screening (Untersuchung)

Bevor wir das Thema Neugeborenen-Screening für Euch vertiefen, ein ganz wichtiger Hinweis vorweg:
Die meisten Kinder, 999 von 1000 oder 99,9% aller Neugeborenen, kommen gesund zur Welt. Daher macht Euch bitte keine zu großen Sorgen!

Warum das Thema Frühuntersuchung dennoch sehr wichtig für Dein Kind ist

In seltenen Fällen gibt es angeborene Erkrankungen, die nicht direkt erkennbar sind. Angeborene Erkrankungen (Stoffwechselerkrankungen) treten bei ca. 1 von 1.000 Neugeborenen auf. Ohne eine Früherkennung und rechtzeitige Behandlung können diese Erkrankungen zu gravierenden Folgen wie Organschäden, körperliche und/oder geistige Behinderung oder auch bis zum Tod für Dein Kind führen. Seit über 30 Jahren finden daher bei allen Neugeborenen Blutuntersuchungen statt.

Wichtig
Für die meisten angeborenen Stoffwechselkrankheiten kann bei rechtzeitiger Diagnose eine erfolgsversprechende Behandlung durchgeführt werden.

Übersicht (angeborene) Stoffwechselkrankheiten


Adrenogenitales Syndrom (AGS)

  • Erklärung: Hormonstörung durch Defekt der Nebennierenrinde:
  • Krankheitsverlauf unbehandelt: Vermännlichung bei Mädchen, möglicher tödlicher Verlauf bei Salzverlustkrisen
  • Wie häufig (ca.): 1 von 10.000 Neugeborenen
  • Therapie: Behandlung durch Hormongaben
  • Prognose: Die Prognose des AGS ist bei frühzeitigem Therapiebeginn gut. Betroffene Kinder entwickeln sich bei bedarfsgerechter Hormonersatztherapie in der Regel normal


Ahornsirupkrankheit (MSUD)

  • Erklärung: Defekt im Abbau von Aminosäuren
  • Krankheitsverlauf unbehandelt: geistige Behinderung, Koma, möglicher tödlicher Verlauf
  • Wie häufig (ca.): 1 von 200.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät
  • Prognose: Ist abhängig von der biologischen Restaktivität, dem Zeitpunkt des Therapiebeginns und der langfristigen Einstellung des Stoffwechsels. In der Akutphase ist die möglichst rasche Senkung der erhöhten Leucinkonzentrationen lebensrettend. Bei konsequenter Diät ist eine befriedigende geistige Entwicklung möglich.


Biotinidase-Mangel

  • Erklärung: Hormonstörung durch Defekt der Nebennierenrinde:
  • Krankheitsverlauf unbehandelt: Vermännlichung bei Mädchen, möglicher tödlicher Verlauf bei Salzverlustkrisen
  • Wie häufig (ca.): 1 von 10.000 Neugeborenen
  • Therapie: Behandlung durch Hormongaben
  • Prognose: Die Prognose des AGS ist bei frühzeitigem Therapiebeginn gut. Betroffene Kinder entwickeln sich bei bedarfsgerechter Hormonersatztherapie in der Regel normal


Carnitinstoffwechseldefekte

  • Erklärung: Defekt im Stoffwechsel der Fettsäuren
  • Verlauf unbehandelt: Stoffwechselkrisen, Koma, möglicher tödlicher Verlauf.
  • Wie häufig (ca.): 1 von 100.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät
  • Prognose: Ist abhängig vom Typ und Ausprägung des Carnitinstoffwechsel-Defektes:
  • - Carnitin-Palmitoyl-Transferase I (CPT I)
  • - Carnitin-Palmitoyl-Transferase II (CPT II)


Galaktosämie

  • Erklärung: Defekt im Verstoffwechseln von Milchzucker
  • Verlauf unbehandelt: Erblindung, körperliche und geistige Behinderung, Leberversagen, möglicher tödlicher Verlauf
  • Wie häufig (ca.): 1 von 40.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät
  • Prognose: Trotz frühzeitiger Diagnose und Therapiebeginn bei konsequenter Diätführung ist die Prognose der klassischen Galaktosämie nicht gut. Es können Langzeitkomplikationen wie schwere Sprachentwicklungs-verzögerungen, Ataxie, Tremor, gestörte Pubertätsentwicklung (insbesondere bei Mädchen), und Intelligenzdefekte unterschiedlichen Ausmaßes sein.


Glutaracidurie Typ I

  • Erklärung: Defekt im Abbau von Aminosäuren
  • Verlauf unbehandelt: bleibende Bewegungsstörungen, plötzliche Stoffwechselkrisen
  • Wie häufig (ca.): 1 von 80.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät und Aminosäuregabe
  • Prognose: Bei frühzeitige Diagnosestellung und konsequenter Diätführung kann in vielen Fällen das Auftreten der enzephalopathischen Krise vermieden werden und es ist eine altersentsprechende motorische und geistige Entwicklung möglich. Bei bereits eingetretenen neurologischen Schäden lässt sich die Symptomatik in der Regel trotz Therapie nicht verbessern. Durch weitere neurologischen Verschlechterungen und damit einhergehenden Komplikationen verstirbt ein Teil der Patienten.


Hypothyreose

  • Erklärung: Unterfunktion der Schilddrüse
  • Verlauf unbehandelt: schwere Störung der geistigen und körperlichen Entwicklung
  • Wie häufig ( ca.): 1/4.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Hormongabe
  • Prognose: Bei  frühzeitigen Therapiebeginn und Hormonbehandlung in den ersten beiden Lebenswochen ist in der Regel von einer normalen geistigen und motorischen Entwicklung auszugehen.


Isovalerianacidämie (IVA)

  • Erklärung: Defekt im Abbau von Aminosäuren
  • Verlauf unbehandelt: geistige Behinderung, Koma
  • Wie häufig (ca.): 1 von 50.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät und Aminosäuregabe
  • Prognose: Bei frühzeitiger Diagnose und schnellen Therapiebeginn sowie Vermeidung von metabolischen Entgleisungen sind die Aussichten auf eine altersentsprechende motorische und geistige Entwicklung gut

Phenylketonurie (PKU)

  • Erklärung: Defekt im Stoffwechsel der Aminosäure Phenylalanin
  • Verlauf unbehandelt: Krampfanfälle, Spastik, geistige Behinderung
  • Wie häufig (ca.): 1 von 10.000 Neugeborenen
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät
  • Prognose: Bei frühzeitiger Diagnosestellung und Therapiebeginn bei konsequenter Diätführung können sich Kinder mit klassischer PKU völlig normal entwickeln. Die Prognose der seltenen atypischen PKU-Formen durch BH4-Mangel ist weniger einheitlich.


VLCAD-Mangel (Very-Long-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase)

  • Erklärung: Defekt im Stoffwechsel von langkettigen Fettsäuren
  • Verlauf unbehandelt: Stoffwechselkrisen, Koma, Muskel und Herzmuskelschwäche, möglicher tödlicher Verlauf
  • Wie häufig (ca.): 1 von 100.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät, Vermeiden von Hungerphasen
  • Prognose: Bei frühzeitiger Diagnosestellung und konsequenter Vermeidung kataboler Stoffwechsellagen können Entgleisungen in den meisten Fällen vermieden werden. Die Langzeitprognose hängt von der Vermeidung der sich entwickelnden Kardiomyopathie  (*Unter dem Begriff Kardiomyopathie werden verschiedene Erkrankungen des Herzmuskels (Myokard) zusammengefasst) ab.


MCAD-Mangel (Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase)

  • Erklärung: Defekt bei der Energiegewinnung aus Fettsäuren
  • Verlauf unbehandelt: Stoffwechselkrisen, Koma, möglicher tödlicher Verlauf
  • Wie häufig (ca.): 1 von 10.000 Neugeborene
  • Therapie: durch Carnitingabe, Vermeiden von Hungerphasen
  • Prognose: Negative Verläufe werden in den allermeisten Fällen durch frühzeitige Diagnosestellung und konsequenter Vermeidung kataboler *Stoffwechsellagen (*Stoffwechselsituation, die durch erhöhte Lipolyse und Fettsäure-Oxidation, herabgesetzten Glucoseabbau und Mobilisierung von Körpereiweiß zur Energiegewinnung gekennzeichnet ist. Eine k. S. stellt sich bei Hungerphasen ein) vermieden. Die Entwicklung der Kinder ist in der Regel vollkommen normal.


LCHAD -Mangel

  • Erklärung: Defekt im Stoffwechsel von langkettigen Fettsäuren
  • Verlauf unbehandelt: Stoffwechselkrisen, Koma, Muskel und Herzmuskelschwäche, möglicher tödlicher Verlauf
  • Wie häufig (ca.): 1 von 80.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät, Vermeiden von Hungerphasen
  • Prognose: Bei frühzeitiger Diagnosestellung und konsequenter Vermeidung *kataboler Stoffwechsellagen (*Stoffwechselsituation, die durch erhöhte Lipolyse und Fettsäure-Oxidation, herabgesetzten Glucoseabbau und Mobilisierung von Körpereiweiß zur Energiegewinnung gekennzeichnet ist. Eine k. S. stellt sich bei Hungerphasen ein) können Entgleisungen und plötzliche Todesfälle in den meisten Fällen vermieden werden. Retinale Degeneration und periphere Neuropathie können sich als Ausdruck einer toxischen Komponente entwickeln. Die Langzeitprognose hängt von der Verhinderung der sich entwickelnden **Kardiomyopathie (**Unter dem Begriff Kardiomyopathie werden verschiedene Erkrankungen des Herzmuskels (Myokard) zusammengefasst) ab.


Tyrosinämie Typ I

  • Erklärung: Defekt im Stoffwechsel der Aminosäure Tyrosin
  • Verlauf unbehandelt: Bildung schädlicher Stoffwechselprodukte kann zu schwerwiegenden Schädigungen von Leber, Niere, Gehirn und/oder Nerven führen
  • Wie häufig (ca.): 1 von 135.000 Neugeborene
  • Therapie: Behandlung durch Spezialdiät in Kombination mit medikamentöser Behandlung mit Nitisinon
  • Prognose: Wird zur Zeit noch weiter untersucht.


Quellenangabe:
1.) Leitlinie Neugeborenen-Screening auf angeborene Stoffwechselstörungen und Endokrinopathien
Stand 02.12.2011 gültig 31.12.2016 (Leitlinie wird zur Zeit geprüft) der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (APE), der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Stoffwechselerkrankungen (APS), dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Neugeborenenscreening (DGNS), der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM), dem Deutschen Hebammenverband und der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI)


2.) Elterninformation Anlage der Kinder­Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G­BA).                               
Stand Oktober 2017
Der G­BA ist ein Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärztinnen und Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen in Deutschland, in dem seit 2004 auch Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter aktiv mitwirken.


Bild zeigt Baby bei der Untersuchnung durch HNO Arzt

Neugeborenen-Hörscreening zur Früherkennung von Hörstörungen

Es sind in Deutschland ca. 2-3 von 1000 Neugeborenen Kindern von bleibenden Hörstörungen betroffen. Da eine Hörstörung bei einem Neugeborenen aber in der Regel nicht direkt erkennbar ist und erst mit zunehmenden Alter auffällig wird, ist es für die sprachliche, soziale und emotionale Entwicklung Deines Kindes sehr wichtig, dass eine Hörstörung frühzeitig erkannt wird.

Hierzu wird in Deutschland ein Neugeborenen-Hörscreening durchgeführt.

Wichtig!
Nur ungefähr ein Kind von 30 bis 40 im Screening auffälligen Kindern hat tatsächlich eine Hörstörung.


Wie funktioniert das menschliche Ohr


Zur Erkennung einer Hörstörung werden 2 bewährte  Screening-Verfahren eingesetzt

Messung der Otoakustischen Emissionen

Hier wird eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang eingeführt, die leise Klicktöne abgibt. Die Schallwellen dieser Klicktöne werden bis zur Hörschnecke gesendet. Kommt ein Signal zurück an die Sonde ist die Schallaufnahme in der Hörschnecke gegeben und der Test unauffällig (gut).

Ist das Signal hingegen aber sehr schwach oder kann überhaupt nicht gemessen werden, kann die Schallaufnahme in der Hörschnecke gestört sein. Eine Ursache ist häufig, dass die Haarzellen in der Hörschnecke (lat. Cochlea) nicht richtig funktionieren.

Wichtig
Bitte beachte, dass eine auffällige Messung oder ungünstige Messergebnisse bei dieser Methode auch andere Ursachen haben können. Zum Beispiel kann die Signalaufnahme verzerrt werden, wenn das Kind unruhig ist, Flüssigkeit im Ohr hat, usw.

Hirnstammaudiometrie BERA / ABR

Die Hirnstammaudiometrie, die BERA (engl. Brainstem Evoked Response Audiometry) oder ABR (engl. auditory brainstem response) ist eine Art der Elektroenzephalografie (EEG), welche die vom Innenohr und Teilen der Hörbahn (Hörnerv und Hör­Gehirn) produzierten elektrischen Aktivitäten misst.

Dies dient der Bestimmung der Hörnervenleitgeschwindigkeit und der Messung des Hörnervs auf akustische Reize.

BERA/ABR ist im Vergleich zu dem Messverfahren der „Otoakustischen Emissionen“ als Screeningverfahren zuverlässiger.

BERA / ABR Untersuchungen werden insbesondere bei Neugeborenen mit folgenden Merkmalen angewendet:

    • Geburtsgewicht unter 1.500 g
    • Niedrigen APGAR-Score (Standard-Punktesystem zur Beurteilung des klinische Zustand von Neugeborenen),
    • Familiäre Hörstörung
    • Kongenitalen Infektion wie zum Beispiel einer Röteln-Infektion,
    • Ototoxischen Medikation (hörschädigende Medikamente) beispielsweise mit Antibiotika
    • Bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung),
    • Niedrigen APGAR-Score (Standard-Punktesystem zur Beurteilung des klinische Zustand von Neugeborenen),
    • Mehrtägigen maschinellen Beatmung
    • Vorliegen von Syndromen mit einer Hörstörung


Testergebnis

Bei einem auffälligen BERA/ABR Testergebnis und/oder wenn die Ergebnisse beider Testmethoden auffällig sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Dein Kind tatsächlich eine *signifikante Hörstörung hat (*mindestens 35 Dezibel).

Deine Ärzte werden mit Dir das Testergebnis und mögliche Therapien für Dein Kind besprechen.  

Hörgeräte, Mittelohr - und Cochlea Implantate (CI´s)

Es gibt heutzutage sehr leistungsstarke Hörgeräte, Mittelohrimplantate und Cochlea-Implantate (sog. CI‘s), die vielen Kindern neben einem guten Spracherwerb auch eine ganz typische Schullaufbahn, Ausbildung/Studium - und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Falls ein „Cochlea-Implantat“ bei Deinem Kind *indiziert ist (*als Therapie angeraten), lass Dich vor einer Operation ausführlich von Deinen HNO Ärzten beraten. Dies ist sehr wichtig, da es unterschiedliche Leistungsmerkmale und Zuverlässigkeitsraten zwischen den einzelnen Anbietern von Cochlea - und Mittelohr-Implantaten gibt.

Restgehör

Auch kann es eine große Rolle für das spätere Hören spielen, ob Dein Kind noch ein Resthörvermögen hat; hierfür werden von den CI-Herstellern sogenannte Hybrid Sprachprozessoren angeboten.

Darüber hinaus ist es für den Erhalt des Restgehörs neben einer guten Operationsmethode und guten HNO-Chirugen, auch wichtig, welche Art des Implantats verwendet wird (auch hier gibt es Unterschiede).

Ein Cochlea-System besteht aus einem internen Bestandteil (Implantat inkl. Prozessor-Chip) und externen Bestandteilen ( Sprach-Pozessor, Spule, Kabel und Steuerung). Mit einer Entscheidung für ein Hör-Implantat ist neben der notwendigen Operation in der Regel auch eine Entscheidung für einen sehr langen *Zeitraum (*30 Jahre oder mehr sind zur Zeit möglich) für den entsprechenden Anbieter von Hörimplantaten verbunden.

Kostenübernahme

Die Kosten für eine Cochlea Implantation sowie die Folgekosten, werden grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen (auch für beide Ohren).   

Beratung und Information

Daher informiere Dich ausführlich und sprich auch mit Selbsthilfegruppen und anderen Eltern, die Kinder mit einem Hör- oder CI-Implantat haben.

Auch bei Hörgeräten ist eine ausführliche Beratung wichtig, um ein geeignetes Hörgerät für Dein Kind zu erhalten.
Es gibt heutzutage sehr leistungsfähige Hörgeräte, die von der gesetzlichen Krankenversicherung komplett übernommen bzw. erstattet werden.


Bild zeigt Baby bei der U Untersuchung

Die U Untersuchungen

Es werden in Deutschland ca. 790.000 Kinder pro Jahr geboren. Damit alle Kinder in ihren Entwicklungsschritten optimal begleitet werden können, sind Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche  (aktuell U1 bis U9 sowie J1) durch das Präventionsgesetz für Kinder und Jugendliche bis zum 18 Lebensjahr möglich.

Für die kindliche Entwicklung ist es -insbesondere in den ersten Lebensjahren- sehr wichtig, dass bei den U Untersuchungen regelmäßig der allgemeine Gesundheitszustand Deines Kindes durch einen Arzt festgestellt wird. Mögliche Auffälligkeiten und Entwicklungsdefizite können so frühzeitig festgestellt und behandelt werden.  

Einzelne ärztliche Untersuchungen im Überblick

U1 Neugeborenen-Erstuntersuchung unmittelbar nach der Geburt
Erkennen von lebensbedrohlichen Komplikationen und sofort behandlungsbedürftigen Erkrankungen und Fehlbildungen, Schwangerschafts-, Geburts- und Familienanamnese, Kontrolle von Atmung, Herzschlag, Hautfarbe, Reifezeichen
Früherkennung von angeborenen Stoffwechseldefekten und endokrinen Störungen

Neugeborenen-Hörscreening bis zum 3. Lebenstag
Hörscreening zur Erkennung beidseitiger Hörstörungen ab einem Hörverlust von 35 Dezibel

U2 3. - 10. Lebenstag
Erkennen von angeborenen Erkrankungen und wesentlichen Gesundheitsrisiken, Vermeidung von Komplikationen: Anamnese und eingehende Untersuchung von Organen, Sinnesorganen und Reflexen

U3 4. - 5. Lebenswoche
Prüfung der altersgemäßen Entwicklung der Reflexe, der Motorik, des Gewichts und der Reaktionen, Untersuchung der Organe, Abfrage des Trink-, Verdauungs- und Schlafverhaltens, Untersuchung der Hüftgelenke auf Hüftgelenksdysplasie und -luxation

U4 3. - 4. Lebensmonat
Untersuchung der altersgerechten Entwicklung und Beweglichkeit des Säuglings, der Organe, Sinnesorgane, Geschlechtsorgane und der Haut, Untersuchung von Wachstum, Motorik und Nervensystem

U5 6. - 7. Lebensmonat
Untersuchung der altersgerechten Entwicklung und Beweglichkeit, der Organe, Sinnesorgane, Geschlechtsorgane und der Haut, Untersuchung von Wachstum, Motorik und Nervensystem

U6 10. - 12. Lebensmonat
Untersuchung der altersgemäßen Entwicklung, der Organe, Sinnesorgane (insb. der Augen), Kontrolle des Bewegungsapparates, der Motorik, der Sprache und der Interaktion

U7 21. - 24. Lebensmonat
Untersuchung der altersgemäßen Entwicklung, Erkennen von Sehstörungen, Test der sprachlichen Entwicklung, Feinmotorik und Körperbeherrschung

U7a 34. - 36. Lebensmonat
Schwerpunkt auf altersgerechter Sprachentwicklung, frühzeitige Erkennung von Sehstörungen

U8 46. - 48. Lebensmonat
Intensive Prüfung der Entwicklung von Sprache, Aussprache und Verhalten, Untersuchung von Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit, Reflexen, Muskelkraft und Zahnstatus

U9 60. - 64. Lebensmonat
Prüfung der Motorik, des Hör- und Sehvermögens und der Sprachentwicklung, um eventuelle Krankheiten und Fehlentwicklungen vor dem Schuleintritt zu erkennen und gegenzuwirken

J1 13. - 14. Lebensjahr
Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustands und der Wachstumsentwicklung, der Organe und des Skelettsystems, Erhebung des Impfstatus, Untersuchung des Stands der Pubertätsentwicklung, der seelischen Entwicklung und des Auftretens von psychischen Auffälligkeiten, von Schulleistungsproblemen und gesundheitsgefährdendem Verhalten (Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum), Beratung auf Grundlage des individuellen Risikoprofils des Jugendlichen zu Möglichkeiten und Hilfen zur Vermeidung gesundheitsschädigender Verhaltensweisen und Tipps für eine gesunde Lebensführung




Quellenangabe:


Weitere detaillierte Information über die U Untersuchungen (Früherkennung) findest Du auf der Internetseite des „Gemeinsamen Bundesauschusses“ unter folgendem Link:

Die komplette Kinder-Richtlinie Stand: 19. Oktober 2017 des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern findest Du hier:



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